Frisch gefüttert, anders verstoffwechselt

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Was eine große Helsinki-Studie über Hundeernährung, Stoffwechsel & Ketose wirklich zeigt

Manchmal verändert Wissen nicht sofort den Napf – sondern zuerst den Blick auf unseren Hund.

Warum ich diesen Artikel schreibe

Vielleicht hast du diesen Satz schon einmal gehört:

„Trockenfutter ist ausgewogen – das passt schon.“

Oder diesen:

„Rohfütterung ist gefährlich, das ist nur ein Trend. Da sind viel zu viele Keime drin.“

Und vielleicht hast du – so wie viele meiner Kund:innen – irgendwann gespürt,
dass dein Hund nicht ganz so rund läuft, wie er könnte. Er ist vielleicht nicht wirklich krank, aber irgendwie:

  • schneller müde
  • ständig hungrig
  • immer ein bisschen „drüber“
  • empfindlich mit Haut, Darm oder Gewicht
  • oder Ähnliches

Und dann beginnt man sich Fragen zu stellen:

👉 Liegt’s vielleicht am Futter?
👉 Was macht dieses Futter eigentlich im Körper meines Hundes?
👉 Wie verarbeitet er das, was täglich im Napf landet?

Genau da setzt eine wissenschaftliche Studie der Universität Helsinki an. Mehr Daten zur Studie selbst findest du am Ende des Artikels.
WICHTIG: Dieser Artikel spiegelt die Ergebnisse dieser einen Studie wieder!

In der Studie beziehen sich die genannten Kohlenhydrate auf stark verarbeitete, stärkehaltige Kohlenhydrate aus Trockenfutter, insbesondere aus Reis und Mais. Es handelt sich dabei nicht um Ballaststoffe oder unverarbeitete pflanzliche Kohlenhydratquellen.

Worum ging es in der Studie?

Die Forscher:innen wollten eine ganz grundlegende Frage beantworten:

Hat die Art der Fütterung Einfluss auf den Energiestoffwechsel von Hunden?

Verglichen wurden zwei sehr unterschiedliche Ernährungsformen:

Trockenfutter (Kibble)

  • stark verarbeitet
  • hoher Anteil an Kohlenhydraten (z. B. Reis, Mais, Stärke)

Rohfleischbasierte Ernährung (RMBD)

  • frisch
  • hoher Anteil an Protein und Fett
  • nahezu keine verwertbaren Kohlenhydrate

Die Hunde wurden mehrere Monate lang konsequent mit einer dieser beiden Varianten gefüttert.
Vorher und nachher wurden nüchterne Blutwerte analysiert.

Warum nüchtern?
Weil man nur so sieht, wie der Körper im Alltag arbeitet – nicht nur direkt nach dem Fressen.

Warum ist der Stoffwechsel überhaupt so wichtig?

Der Stoffwechsel ist das innere Betriebssystem deines Hundes.

Er entscheidet:

  • Woher kommt Energie?
  • Wie schnell wird sie verfügbar?
  • Wird sie verbrannt oder gespeichert?
  • Wie stabil bleiben Blutzucker, Hormone & Fettwerte?

Ein gestörter Stoffwechsel macht sich selten sofort bemerkbar. Er zeigt sich oft schleichend – über Monate oder Jahre.

Zum Beispiel durch:

  • Gewichtszunahme
  • ständiges Hungergefühl
  • Energielosigkeit
  • Entzündungsneigung
  • Haut- & Darmprobleme

👉 Ernährung ist dabei kein Nebenschauplatz, sondern der Hauptregler.

Brauchen Hunde Kohlenhydrate?

Das ist eine der zentralen Fragen dieser Studie – und gleichzeitig eine der größten Missverständnisse.

Die wissenschaftliche Antwort ist klar:

👉 Hunde haben keinen physiologischen Bedarf an Kohlenhydraten.

Das bedeutet nicht:

  • dass Kohlenhydrate „giftig“ sind
  • oder dass jeder Hund sofort Probleme bekommt

Aber es bedeutet:

👉 Kohlenhydrate sind nicht notwendig, um einen Hund gesund zu ernähren.

Hunde können:

  • Fett hervorragend verwerten (größter Energielieferant unserer Hunde)
  • Protein als Baustoff & Energiequelle nutzen

Kohlenhydrate sind für den Hundekörper eher ein:

👉 optional eingebauter Umweg. Und genau dieser Umweg wurde in der Studie genauer betrachtet.

Ein kurzer Blick auf die Studie – verständlich erklärt

  • 46 Hunde, alle Staffordshire Bull Terrier
  • Dauer: im Schnitt ca. 4,5 Monate
  • Hunde lebten ganz normal bei ihren Familien
  • Zwei Gruppen:
    • Trockenfutter
    • rohfleischbasierte Ernährung

Gemessen wurden unter anderem:

  • Blutzucker
  • Langzeit-Blutzucker (HbA1c)
  • Insulin & Glukagon
  • Blutfette (Triglyceride, Cholesterin)
  • Ketonkörper
  • Gewichtsentwicklung

Blutzucker & HbA1c – was ist der Unterschied?

Blutzucker

Der Blutzucker zeigt:
👉 wie viel Zucker gerade jetzt im Blut ist.

In der Studie:

  • sank der Nüchtern-Blutzucker bei roh gefütterten Hunden
  • bei Trockenfutterhunden nicht

HbA1c – der Langzeitwert

HbA1c ist besonders spannend.

Er zeigt den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten 2–3 Monate

Man könnte sagen:

  • Blutzucker = Momentaufnahme
  • HbA1c = Langzeitfilm 🎥

Und hier wurde es deutlich:

  • Bei den Trockenfutterhunden stieg der HbA1c signifikant an.
  • Bei den roh gefütterten Hunden blieb er stabil.

Das heißt:
Der Körper der Trockenfutterhunde war über längere Zeit häufiger mit erhöhtem Zucker konfrontiert.

Und das ist etwas, das wir auch aus der Humanmedizin sehr gut kennen.

Insulin & Glukagon – zwei stille Dirigenten

Insulin – der Einlagerer

Insulin sorgt dafür, dass Zucker:

  • aus dem Blut
  • in die Zellen
  • oder ins Fettgewebe gelangt

In der Studie zeigten sich keine großen Unterschiede im Nüchtern-Insulin

Das ist wichtig, denn:
👉 Stoffwechselprobleme beginnen oft lange bevor Insulinwerte entgleisen.

Glukagon – der Gegenspieler

Glukagon hebt den Blutzucker an, wenn Energie fehlt.

Und hier wurde es spannend:

  • Bei roh gefütterten Hunden sank der Glukagonwert deutlich.
  • Am Ende hatten sie signifikant niedrigere Werte als die Trockenfutterhunde.

Was bedeutet das?

👉 Ihr Körper musste weniger „Notfall-Zucker“ produzieren,
weil er energetisch ruhiger & stabiler war.

Blutfette – ein oft missverstandenes Thema

Viele denken:

„Viel Fett im Futter = schlechte Blutwerte“

Die Studie zeigte das Gegenteil.

Trockenfutterhunde hatten:

  • höhere Triglyceride
  • höheres Gesamtcholesterin
  • höhere LDL- & VLDL-Werte

Roh gefütterte Hunde hatten:

  • niedrigere Blutfettwerte
  • teils sinkendes Cholesterin

Warum?

👉 Weil überschüssige Kohlenhydrate in der Leber sehr leicht zu Fett umgebaut werden.
👉 Und weil Insulin diesen Prozess zusätzlich ankurbelt.

Mehr Fett im Napf bedeutet also nicht automatisch mehr Fett im Blut.

Ketose – ein Wort, das Angst macht (zu Unrecht)

Jetzt kommen wir zu einem Begriff, der oft missverstanden wird.

Was ist Ketose?

Normalerweise nutzt der Körper:

  • Zucker (Glukose) als Hauptenergiequelle

Wenn wenig Zucker verfügbar ist, schaltet er um auf:

  • Fettverbrennung

Dabei entstehen Ketonkörper – unter anderem β-Hydroxybutyrat.

👉 Ketose bedeutet also:
Der Körper gewinnt Energie aus Fett.

Das ist ein natürlicher Stoffwechselprozess.

Was zeigt die Studie?

  • Ketonkörper stiegen in beiden Gruppen leicht an
  • bei roh gefütterten Hunden jedoch deutlich stärker

Das bedeutet:
👉 Ihr Körper konnte flexibel zwischen Energiequellen wechseln
👉 ein Zeichen von stoffwechsellicher Anpassungsfähigkeit

Die Studie spricht hier von einer milden, ernährungsbedingten Ketose – nicht von extremen Zuständen.

Gewicht – kleine Zahl, klare Richtung

Während der Studienzeit:

  • nahmen Trockenfutterhunde im Schnitt etwa 0,5 kg zu
  • roh gefütterte Hunde nicht

Das ist kein Drama. Aber es zeigt eine Richtung.

👉 Kohlenhydratreiche Fütterung begünstigte Gewichtszunahme –
selbst bei vergleichbarer Futtermenge.

Was heißt das jetzt für dich & deinen Hund?

Ganz wichtig:
👉 Diese Studie ist kein Fütterungsdogma.
👉 Sie ist kein „Trockenfutter ist böse“-Urteil.

Aber sie zeigt klar:

🐾 Der Hundekörper ist nicht dafür gemacht, dauerhaft große Mengen Zucker & Stärke zu verarbeiten.
🐾 Frische, wenig verarbeitete Nahrung entlastet den Stoffwechsel.
🐾 Ketose ist kein Feind – sondern ein Zeichen von Flexibilität.

Oder anders gesagt:

👉 Nicht alles, was praktisch ist, ist auch passend.
👉 Und nicht alles, was „ausgewogen“ heißt, fühlt sich für den Hundekörper auch so an.


📌 Studiensteckbrief – auf einen Blick

Studientitel:
The effect of a kibble diet versus a raw meat-based diet on energy metabolism biomarkers in dogs

Wer hat die Studie durchgeführt?

Die Studie wurde von einem Forschungsteam der Universität Helsinki durchgeführt,
unter der Leitung von Anna Hielm-Björkman,
die seit vielen Jahren zu Hundeernährung, Stoffwechsel und chronischen Erkrankungen forscht (DogRisk-Forschungsgruppe).

Beteiligt waren Forscher:innen aus:

  • der Veterinärmedizin
  • den Agrarwissenschaften
  • der Ernährungswissenschaft

Wie viele Hunde nahmen teil?

  • 46 Hunde, die die Studie vollständig abgeschlossen haben
  • alle Hunde waren privat gehaltene Staffordshire Bull Terrier
  • sowohl gesunde Hunde als auch Hunde mit atopischer Dermatitis waren eingeschlossen
    (die Hauterkrankung selbst war nicht Gegenstand dieser Auswertung)

Was wurde untersucht?

Verglichen wurden zwei Fütterungsarten:

  • Trockenfutter (kibble) – kohlenhydratreich, stark verarbeitet
  • Rohfleischbasierte Ernährung (RMBD) – sehr kohlenhydratarm, protein- und fettreich

Untersucht wurden unter anderem:

  • Blutzucker
  • Langzeit-Blutzucker (HbA1c)
  • Insulin & Glukagon
  • Blutfette (Triglyceride, Cholesterin, Lipoproteine)
  • Ketonkörper (β-Hydroxybutyrat)
  • Gewichtsentwicklung

Wie lange dauerte die Studie?

  • 50 bis 188 Tage,
  • im Durchschnitt (Median) etwa 4,5 Monate pro Hund

Wie wurde gemessen?

  • Blutproben nüchtern, vor und nach der Fütterungsphase
  • Messung standardisierter Stoffwechsel- und Blutmarker
  • Die Hunde lebten während der Studie ganz normal bei ihren Familien (Alltagsbedingungen)

Wann wurde die Studie veröffentlicht?

  • 2025
  • veröffentlicht im Fachjournal The Veterinary Journal
  • Open-Access (frei zugänglich)

Wichtig für die Einordnung

Die Autor:innen betonen ausdrücklich:

  • Es handelt sich um eine einzelne Interventionsstudie
  • Die Ergebnisse zeigen Unterschiede im Stoffwechsel,
    aber keine endgültigen Aussagen zu Langzeitgesundheit oder Krankheitsprävention
  • Weitere Forschung ist notwendig
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